Geschichte

Der Lassus-Chor München wurde im Jahre 1957 (damals noch unter dem Namen Lassus-Musikkreis) von Bernward Beyerle sen. mit dem Ziel gegründet, die vokale und instrumentale mehrchörige Musik wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen. Auf zahlreichen Konzertreisen im In- und Ausland wurde die "historische Stereophonie" durch die entsprechende Aufführungspraxis, mit weit voneinander getrennten Chor- und Instrumentalgruppen zu musizieren, eindrucksvoll realisiert. Im Jahr 1972 legte er den Chor in die Hände seines Sohnes Bernward Beyerle, unter dessen Leitung der Chor eine weitere Blüte erreicht. Der besondere Klang des Ensembles, die Begeisterung der Sängerinnen und Sänger, verbunden mit außergewöhnlicher Literaturauswahl, besonderen Orten und namhaften Solisten, erwarb dem Lassus-Chor einen internationalen Ruf. In seiner 60-jährigen Geschichte erhielt der Lassus-Chor Konzerteinladungen u.a. nach Rom, Venedig, Mailand, Florenz, Pisa, Volterra, Arezzo, Padua, Bologna, Lecce, Bari, Otranto, Viterbo, Brixen, Wien, Salzburg, Bern, Mons, Tournai, Reims, Straßburg, Colmar und Prag. Im September 2017 übergab Bernward Beyerle die Leitung des Chores an Andrea Fessmann.

Mehrchörigkeit
– Dolby-surround des 16. Jahrhunderts

In dieser Musizierpraxis wird der Raum von verschiedenen Positionen aus mit Musik erfüllt. Es offenbart sich ein neues Phänomen - der spannungserfüllte Klangraum. Der Zuhörer befindet sich dabei im Zentrum des musikalischen Geschehens, das ihm durch die Intensität der Musik ein aktives Hörerlebnis eröffnet. Er ist Teil des Raumes und wird Teil des Klanges. Das Erleben der menschlichen Stimme, der spirituelle Inhalt der Musik, das Geheimnis der Resonanz wird zum Geschenk für Ausführende wie Zuhörer gleichermaßen. Die Entstehung des mehrchörigen Stils im 16. Jahrhundert hatte verschiedenste Gründe, die einerseits in praktischen Notwendigkeiten, aber auch in der allgemeinen geistigen Situation lagen. Ausgangspunkt war San Marco in Venedig, das durch die vielen Emporen und Umgänge geradezu ideale Aufstellungsmöglichkeiten für Orgeln, Solisten, Instrumentalisten- und Sängergruppen bot. Das zunehmend feierliche Zeremoniell des kirchlichen und weltlichen Lebens erforderte eine repräsentative "Festmusik". Auch die Forderungen des Humanismus und der Gegenreform nach Textverständlichkeit und Würde im Ausdruck fanden ihren Niederschlag. Von besonderer Bedeutung war zudem, dass man im Hochgefühl der Renaissance und der Entdeckung des Raumes lebte. Das Bewusstsein der dritten Dimension durchdringt alle Gebiete des Lebens und der Kunst.